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Bürgermeisterkandidaten auf den Zahn gefühlt

Bei der Kommunalwahl am 13. September wird in Rotenburg ein neues Stadtoberhaupt gewählt

Am 13. September stehen in Niedersachsen Kommunalwahlen an. Spannend wird es in Rotenburg, wo es gleich drei Kandidat:innen für das Bürgermeister:innenamt gibt. Die IG CityMarketing lud sie zu Gesprächen ein.

Rotenburg, im Juli 2026. – Wie lässt sich die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Innenstadtakteur:innen verstärken? Wie können zusätzliche finanzielle Mittel akquiriert werden, um die Aufenthaltsqualität der Innenstadt zu verbessern? Was hilft, um Leerstände zu beseitigen? – Der Vorstand der IG CityMarketing lud die drei Kandidat:innen für das Amt des Bürgermeisters/der Bürgermeisterin in diesen Tagen in das Rudolf-Schäfer-Haus ein. Es ergaben sich drei intensive, engagiert geführte und vielversprechende Gespräche.

Aus Liebe zu Rotenburg

Als erstes kam Bürgermeisterkandidatin Astrid Mujica Alvarado (SPD). Die Musiklehrerin des Ratsgymnasiums betonte, dass sie sich als Moderatorin und Bindeglied zwischen Rathaus und Stadtgesellschaft sehen möchte. Um Chancen zu nutzen, müssten die unterschiedlichen Kräfte und Talente in der Stadtgesellschaft erkannt und gefördert werden. Nur wenn man harmonisch zusammenarbeitet, könnte sich das volle Potenzial der Stadt entfalten, gab sich Mujica Alvarado überzeugt.

Im Gespräch hielt sie für die anwesenden Kaufleute und Innenstadtakteur:innen durchaus die eine oder andere Überraschung bereit. So erzählte sie zu ihrem Werdegang, dass sie ursprünglich Sängerin werden wollte und einige Jahre im Marketing der Musikbranche tätig war. In den Schuldienst fand sie erst in Rotenburg, wohin es sie vor 20 Jahren mit Ehemann und zwei Töchtern verschlug.

Astrid Mujica Alvarado (links) stellte sich im Rudolf-Schäfer-Haus den Fragen von Mitgliedern der IG CityMarketing. Mit dabei: Ursula Machunsky (dritte von links) als Vorsitzende des Rudolf-Schäfer-Vereins.

Die Innenstadt sieht Astrid Mujica Alvarado nicht nur als Wirtschaftsstandort, sondern auch als Ort für niedrigschwellige Angebote, unabhängig von Geldbeutel oder Herkunft der Besucher:innen. Sie möchte sich einsetzen für Kultur im öffentlichen Raum und gelebte Inklusion.  Die gegenwärtige Leerstandssituation, Beispiel Rossmann, sollte man nicht nur negativ sehen: „Ein Leerstand öffnet immer auch die Chance für etwas Neues“, betonte die Kandidatin. Die Stadt müsse sich entwickeln.

Für mehr unternehmerisches Denken im Rathaus

Das sieht Henning Poppe (CDU) ähnlich. „Städte haben immer Entwicklungen durchlaufen und sich verändert“, betonte Poppe, der als Landwirtschaftsmeister unternehmerisch tätig und zugleich langjähriges Mitglied im Rotenburger Stadtrat sowie amtierender Bürgermeister der Ortschaft Waffensen ist. Die derzeitigen Leerstände in der City seien Ausdruck einer Entwicklung. Die Stadt erfinde sich im gegenwärtigen Strukturwandel des Handels neu.

CDU-Bürgermeisterkandidat Henning Poppe folgte gemeinsam mit Ehefrau Ilka (rechts) der Einladung der IG CityMarketing.

Das Gespräch mit der IG CityMarketing steuerte schnell auf die gemeinsame Feststellung, dass vieles in der Stadt gefühlt ewig oder viel zu lange dauert, trotz Städtebauförderung und zahlreichen guten, bereits vorliegenden Konzepten. Es wurde die Frage diskutiert, ob dem Rathaus mehr unternehmerisches Denken und Handeln gut täte. Poppe verwies dazu auf zahlreiche, in seiner Amtszeit von ihm angestoßene und gemeinsam mit anderen erfolgreich umgesetzte Projekte in Waffensen. Ob es um den Erhalt der Grundschule, Bauplätze für junge Familien oder die Umwandlung des ehemaligen Tagungshotels Taranga in eine Senior:innen-Wohngemeinschaft ging: Um auch komplexe Probleme zu lösen und Ziele zu erreichen, sei es wichtig, dass Bürger:innen, Politik und Behörden an einem Strang ziehen. Dafür müssten Entscheidungen im Rathaus transparent gemacht und besser kommuniziert werden, um für alle nachvollziehbar zu sein. Dies sei auch wichtige Voraussetzung für ehrenamtliches Engagement, das eine Kleinstadt wie Rotenburg dringend benötigt, um ein großes Angebot etwa in Sport und Kultur dauerhaft aufrecht zu erhalten.

Auch in der Innenstadt gebe es ehrenamtliches Engagement, das mehr Unterstützung und Wertschätzung verdiene, erläuterte dazu der Vorstand der IG CityMarketing. Mit dem Niedersächsischen Quartiersgesetz habe das Land Niedersachsen eine wichtige Voraussetzung geschaffen, um den Wirkungsgrad privater Initiativen deutlich zu erhöhen und das Engagement für die Innenstadt als Gemeinschaftsaufgabe von Stadt und privaten Akteur:innen zu institutionalisieren. Darauf wolle die IG CityMarketing als Quartiersinitiative hinarbeiten. Privates Engagement könne die Stadt finanziell entlasten. Die IG CityMarketing habe bereits in den vergangenen Jahren über 100.000 Euro durch Mitgliedsbeiträge aufgebracht, um viele Aktionen und Veranstaltungen wie Streetfood Market, Dämmershoppen oder das mit der KIR (Kulturinitiative Rotenburg) gemeinsam initiierte „Krimi und Shopping“-Event zu finanzieren. Das reiche jedoch nicht mehr aus. Es sei deutlich mehr gefordert, damit der Standort auch künftig funktioniere. Ob es um Sauberkeit und Sicherheit, Begrünung und Beschattung anstelle großflächiger Versiegelung oder eine bessere Aufenthaltsqualität für jung und alt geht – man dürfe negative Entwicklungen nicht einfach hinnehmen, so der Vorstand der IG CityMarketing auch an die Adresse anderer Gewerbetreibender und Immobilienbesitzer:innen der Innenstadt gerichtet. Es komme darauf an, dass sich alle für mehr Lebensqualität in der Stadt engagieren. Letztlich werde nur so der Wert von Immobilien dauerhaft erhalten und die Existenz von Betrieben gesichert.

City-Manager als Anlaufstelle im Rathaus installieren

Darin waren sich die anwesenden Mitglieder der IG CityMarketing auch schnell mit Stefan Fuchs einig. Der Politikwissenschaftler, der seit 2018 in Rotenburg lebt und als Verwaltungsbeamter beim Landkreis Rotenburg tätig ist, gehört der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Stadtrat an, kandidiert jedoch lösgelöst von der Partei als unabhängiger Kandidat für das Bürgermeisteramt. Es gehöre für ihn zum Selbstverständnis als Stadtoberhaupt, sagt er, dass er für alle Bürger:innen gleich welcher politischer Couleur da sein möchte.

Gemeinsam war Stefan Fuchs mit den Mitgliedern der IG CityMarketing einer Meinung, dass die Leerstände in der Stadt viel höhere Aufmerksamkeit im Rathaus verlangten und dringend das Gespräch mit den jeweiligen Immobilienbesitzer:innen gesucht werden müsse. Er wies darauf hin, dass er sich für die Stelle eines Wirtschaftsförderers und City-Managers stark mache, der als Ansprechpartner oder Ansprechpartnerin und im direkten Austausch mit der Quartiersinitiative der Innenstadt Themen aufgreifen und Missstände angehen könnte.

Das sommerliche Wetter ließ es zu, dass das Gespräch mit Bürgermeisterkandidat Stefan Fuchs im zauberhaften Garten des Rudolf-Schäfer-Hauses stattfinden konnte. Zum Auftakt gab es noch eine kleine Führung.

In der Stadtentwicklung sieht Fuchs sehr großes Potenzial im Bereich des Neuen Markts, der gegenüber dem Pferdemarkt den Vorteil habe, dass mit der ansässigen Gastronomie schon lebendige Vielfalt herrsche, die durch zusätzliche kulturelle Aktivitäten Menschen zusammenführen könnte. Darin sieht Fuchs zugleich die Hauptaufgabe der Innenstadt: Die City muss sich als Treffpunkt, als Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens in Rotenburg beweisen. Das Miteinander in der Stadt genieße für ihn absolute Priorität.

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