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Wohnen statt Disco

Zwischen Goethestraße und Steinbeißergasse entsteht ein neues Innenstadtquartier

In Kürze rollen die Abrissbagger an In Kürze rollen die Abrissbagger an

Die Remise im hinteren Grundstücksbereich ist längst weg, die große Kastanie bereits gefällt. Die Tage des Hauses, das rund 40 Jahre eine Diskothek beherbergte, sind gezählt.

Das Smeraldo galt zuletzt nur noch als Relikt aus alten Tagen. Rotenburg verändert sein Gesicht, weil auch die Menschen sich verändern. Wer sich in den 70er und 80er Jahren im Smeraldo traf, schwofte und feierte, gehört heute zur Generation 50 plus. Damals war die Goethestraße Rotenburgs Kneipenmeile: Scotch-Corner, Smeraldo, Klönschnack, Pizzeria und Imbiss. Vergangen, die Jungen haben andere Interessen.

Wohnen statt Disco

Zwei Investoren aus Wittorf und Sottrum haben die Immobilien gekauft. Zwischen Goethestraße und Steinbeißergasse sollen hier 25 bis 30 neue Wohnungen mit einer Gesamtwohnfläche von etwa 1.800 qm entstehen. Das Bauvorhaben an sich wird positiv aufgenommen. Wohnungen in der Innenstadt sind gefragt und erwünscht. Sie sorgen für Leben in der Stadt, nicht nur während der Geschäftszeiten des Einzelhandels.

Sorgen bereitet vielen Rotenburgern indes die Höhe der geplanten Bauten. Erschien so manchem bereits der PGN-Bau am Kirchhof als zu hoch für Rotenburger Verhältnisse, so könnte der Bau an der Steinbeißergasse sogar noch 2 m höher ausfallen. Der Bebauungsplan lässt dies zu. Das entspräche dann der Höhe des Postgebäudes. „Dreigeschossig plus Staffelgeschoss“, heißt es im Jargon der Architekten und Stadtplaner, viergeschossig ist der Eindruck des Laien.

Platz für Fachgeschäfte?

Im Erdgeschoss zur Goethestraße sind zudem noch Gewerbeflächen vorgesehen. Wer hier jedoch mal seine Türen öffnet, steht nicht fest. Das Einzelhandelskonzept der Stadt Rotenburg empfiehlt „zielgruppenorientierte und frequenzunabhängige Fachgeschäfte sowie weitere Dienstleister“, die das Angebot der Innenstadt ergänzen sollen.

Häuser baufällig

Schon weg: Kastanie und Remise gibt es nicht mehr

Die große Kastanie (links) und die alte Remise sind bereits verschwunden

Die Häuser, die den geplanten Neubauten weichen müssen, gelten als baufällig. Augenzeugen zufolge ist die Remise von selbst, ohne jegliche Fremdeinwirkung zusammengebrochen. Im hinteren Gebäudeteil des Smeraldo schien ohnehin die Zeit stehen geblieben. Hier ist jahrzehntelang nichts verändert worden. Bis zuletzt beherbergten die Räume verstaubte Maschinen, die aus der Zeit stammten, als das Gebäude eine Bäckerei beherbergte. Das ist mindestens 50 Jahre her. Die Legende sagt, dass sogar noch ein Kittel an der Wand hing und auf dem Tisch eine Bildzeitung aus den 50er Jahren lag. Als ob die Bäcker gerade Feierabend gemacht hatten.

NABU sorgt sich um Fledermäuse und Bodenversiegelung

„Eine Verschlechterung der naturschutzfachlichen Bedingungen“ befürchtete der Landkreis in seiner Stellungnahme zum Bebauungsplan. Der Verlust der Bäume wird beklagt, auch wenn eine Begutachtung der alten Kastanie ergab, dass weder Bruthöhlen noch Niststellen zu finden waren. Dafür erkannte der Gutachter, dass der Baum altersbedingt im Stamm ausgehöhlt und am Ende seiner Entwicklung war. Eine Beseitigung erschien folglich auch aus „Verkehrssicherungsgründen“ empfehlenswert.

„Keine grundsätzlichen Bedenken“ gegen den Bebauungsplan hatte der NABU. Allerdings könnten durch den Abriss der Gebäude Fledermausquartiere zerstört werden, hieß es. Deshalb wurde empfohlen, vor dem Abriss einen Fledermausexperten zu Rate zu ziehen, um die Tötung von Fledermäusen zu verhindern. Zugleich wurde empfohlen, im Planungsgebiet nach der Baumaßnahme wieder heimische Gehölze nach zu pflanzen. Der NABU wies zudem darauf hin, dass künftige Gebäude- und Parkplatzflächen zusätzlich Boden versiegeln. Zum Schutz des Bodens sei es wünschenswert, Parkplatzflächen aus schonenden Materialien wie Rasengittersteinen oder wassergebundenen Decken herzustellen.

IG CityMarketing fordert städtebauliches Konzept für die Steinbeißergasse

Was passiert mit dem hinteren Grundstücksbereich zur Steinbeißergasse? Eine Gasse, an der noch Gärten liegen und die zudem Große Straße und Goethestraße verbindet, hat städtebaulich einen großen Charme.

Die Steinbeißergasse bietet städtebauliches Potenzial

Die IG CityMarketing fordert ein Konzept für die Aufwertung der Steinbeißergasse

Die IG CityMarketing hat bereits im September 2015 in einem Schreiben an den Bürgermeister gefordert, dass ein Konzept für die Gestaltung und städtebauliche Aufwertung der Steinbeißergasse entwickelt werden sollte. Es sei absehbar, dass Frequenz und Nutzung der Gasse durch die neuen Wohnungen deutlich erhöht werden. Möglicherweise bietet sich die Steinbeißergasse künftig sogar für kleine Märkte und Veranstaltungen an. Sowohl das Restaurant Rocas als auch das Bistro Carthago haben an ihrer Südseite zur Steinbeißergasse Terrassen und Durchgänge. Hier könnte ein schmuckes neues Kleinod für die Stadt entstehen.

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