Spezialitäten der Neustadt - Innenstadt Rotenburg
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Spezialitäten der Neustadt

Kaufleute und Gästeführerinnen auf der Suche nach neuem Stadtbesichtigungsformat

Mit Gästeführerin Traute Philipp durch die Stadt Mit Traute Philipp (3. v. rechts, mit Umhängetasche) gingen die Steinbeißer durch die Stadt, um Anregungen für das neue Stadtbesichtungsformat zu sammeln

Hinter die Fassade Rotenburger Häuser blicken, Spezialitäten probieren, Legenden, Anekdoten und kleine Geschichten hören – die Gästeführerinnen Traute Philipp, Doris Wiedner und Hanna Tamke wollen gemeinsam mit Kaufleuten der Innenstadt ein neues Format für die Stadtbesichtigung entwickeln.

Hatte Napoleon in Baumeisters Kellergewölbe wirklich sein Quartier aufgeschlagen? Wieso fließt mitten durch die Stadt ein Kanal, der sogar zum Denkmal erhoben wurde? Und was sind eigentlich Morsellen? – Es gibt viel zu entdecken in der Rotenburger Innenstadt, auch abseits von Kunstwerken, Rudolf-Schäfer-Haus und Stadtkirche. In kleiner Runde mit Beteiligung der Gästeführinnen und der IG CityMarketing wurde die Idee einer Spurensuche in Häusern und Geschäften der Innenstadt geboren.

Der Steinbeißer ist eine dreistöckige Spezialität mit Aquavit, Wurst und Vollkornplätzchen

Bei der Stadtbesichtigung sicher dabei: der “Steinbeißer”. Es handelt sich um eine dreistöckige Spezialität mit Steinbeißer-Wurst von Wünsch, Vollkornplätzchen von Bäcker Freitag und Wümme-Aquavit von Bruns.

Shoppen mit Mehrwert

„Wir erleben oft, dass gerade weibliche Gäste den Rotenburg-Besuch gern mit einer Shoppingtour verbinden möchten“, sagt Traute Philipp. Gesucht sind spezielle Leckereien, Mitbringsel für die Lieben daheim, aber auch etwas Besonderes für den eigenen Bedarf. Dabei seien die Gäste, selbst wenn sie aus der Großstadt kommen, oftmals sehr angetan von den zahlreichen inhabergeführten Geschäften, die nicht den üblichen Filialketten angehören und ein sehr individuelles Sortiment aufweisen. „Es stellte sich für uns die Frage, ob man das Shopping-Bedürfnis nicht mit einem passenden Programm verbinden könnte“, so Traute Philipp.

Nach dem Erstkontakt im Heimathaus wurde das Gespräch beim nächsten Steinbeißertreffen vertieft, dem monatlichen Stammtisch der Kaufleute. Dort wurde mit Traute Philipp verabredet, einem gemeinsamen Rundgang durch die Stadt zu unternehmen, so wie ihn die Gästeführerinnen üblicherweise gestalten. Ergänzend dazu sollten Informationen und Vorschläge gesammelt werden, was es in Häusern und Geschäften zu entdecken gibt. Daraus soll nun die neue Stadttour „gestrickt“ werden.

Überraschende Erkenntnisse

Zunächst einmal gab es aber auch für die Steinbeißer während des Rundgangs mit Traute Philipp einige neue Erkenntnisse. Die Innenstadt ist die historische Mitte der Stadt? „Streng genommen nicht“, sagt Traute Philipp. Als erstes war natürlich die Wümme da, über die Jahrhunderte künstlerisch oft in Szene gesetzt mit Liedern, Gedichten und Gemälden. Im 12. Jahrhundert kam der Verdener Bischof und mit ihm erst Burg, dann Schloss, dann Festung auf das Gelände des heutigen Heimathauses. Drumherum entstand die erste Siedlung mit Häusern von Bauern, Händlern und Handwerkern, die von der Burg lebten. „Am Pferdemarkt war aber Schluss“, so Philipp. Die heutige Innenstadt ist die „Neustadt“, die erst 400 Jahre später entstand.

Hätten Sie’s gewusst?

Und war Napoleon nun wirklich im Baumeisterschen Haus? Auf jeden Fall hat Napoleon in Rotenburg Spuren hinterlassen, vor allem durch den alten Handelsweg (später B75), dem die Stadt eine gute Verkehrsanbindung und damit einigen Wohlstand zu verdanken hat  Es ist sicher belegt, dass Französische Truppen in Rotenburg einquartiert waren und dafür auch gut zahlten. Dass Napoleon das heutige Modehaus zumindest einmal durch die Seitentür betreten haben soll, ist durch Berichte überliefert und darf durchaus als wahrscheinlich gelten.

Der Kanal (Stadtstreek), der die Innenstadt teilt, war zwar einerseits praktisch, weil viele Wege in früheren Zeiten mit dem Kahn bewältigt wurden. Tatsächlich zeugt er aber von einem Zwist, der nach einem der vielen Rotenburger Brände eskalierte, bei denen die Stadt völlig zerstört wurde. Von den 72 Bewohnern siedelten sich daraufhin 16 außerhalb des Fleckens (am „Sand-Ende“) neu an. Dazwischen wurde eine Grenze gezogen – der Stadtstreek.

Schließlich: Was sind Morsellen?  Es handelt sich um Konfekt, das nach uraltem Apothekerrezept aus vielen Gewürzen hergestellt und nach gutem Essen gereicht wurde. In Rotenburg sind Morsellen heute noch in der Alten Apotheke erhältlich.

Morsellen: Konfekt in einer kleinen Schachtel, gibt es nur in der Apotheke

Morsellen sind ein Konfekt nach uraltem Rezept, das es beim Apotheker gibt. In Rotenburg ist es noch in der Alten Apotheke erhältlich.

Aktuelle Stadtbesichtigungen

Die GästeführerInnen bieten allgemeine und thematische Orts- und Stadtführungen in Rotenburg und Umgebung, Reisebegleitungen für Bustouristen sowie thematische Führungen in der Kräuterregion, Kunst- und Literaturführungen, Radtouren und Kutschfahrten. Sie gehören zu der Arbeitsgemeinschaft Gästeführungen im Landkreis Rotenburg (Wümme). Zudem sind sie dem Bundesverband der Gästeführer in Deutschland e.V. (BVGD) angeschlossen, nach deren hohen Standards sie zertifiziert sind.

Aus dem Programm der Gästeführerinnen:

Biedermeier in Rotenburg – Auf unterhaltsame Art erzählt „Pastorenfrau Christiane Carstens“ (Almuth Quehl) aus der Zeit des Biedermeiers. Die Teilnehmer(innen) erfahren viel über die „Franzosenzeit“ und den Eigensinn Rotenburger Bürger.

De Stadt op Platt – Hanna Tamke führt auf einen Spaziergang durch die Stadt und erzählt Döntjes und Anekdoten.

Die streitbare Helene – Gina Lemme-Haase führt Gäste auf die Spuren der Hamburger Diakonissen, die 1905 mit ihrer Oberin Helene Hartmeyer in Rotenburg eine neue Wirkungsstätte fanden.

Kunst auf Straßen und Plätzen in Rotenburg – Mit Elke Eberle geht es per Rad durch die Satdt zu den unterschiedlichen Kunstwerken und Kunststilen.

Grüne Oasen in Rotenburg – Ein naturkundlicher Rundgang mit Traute Philipp,  unterhaltsam und informativ durch die Parkanlagen der Stadt.

Von der Burg zum Brunnen – ein Streifzug mit Joachim Jessat durch 800 Jahre Rotenburg.

Orte der Stille – Für Traute Philip sind Friedhöfe Kulturräume mit vielschichtigen Bedeutungen. Sie sind nicht nur Orte der Trauer und des Gedenkens, sondern auch Abbild unserer Geschichte und Ausdruck künstlerischen Schaffens.

Unheimliche Geschichten – Im Schein der Laternen erzählt Almuth Quehl Sagen, Märchen und andere unheimliche Geschichten. Unbedingt warm anziehen!

Weitere Führungen auf Anfrage. Informationen auf www.gaestefuehrungen-row.de

Kontakt: Gina Lemme-Haase (Vorsitzende), 27356 Rotenburg (Wümme)
Tel. 0 42 61 / 15 28, E-Mail: lemme.haase(at)googlemail.com

 

 

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